
Übergabe der Zertifizierungsurkunde und Plakette in der niedersächsischen Sparkassenstiftung in Anwesenheit von Bund, Land, Hansestadt und Gremien des Museums und des Museumsverbandes.
Lüneburg, den 20. Dezember 2011
Zum Jahresende freut sich das Ostpreußische Landesmuseum über die breite Unterstützung und Anerkennung seiner Arbeit, die dem Museum zukunftsweisende Schritte erlaubt haben, und dankt hierfür allen daran Beteiligten.
Die seit vielen Jahren vorgesehene Erweiterung des Museum mit Modernisierung der Dauerausstellung und Integration einer deutschbaltischen Abteilung wurde 2011 wesentlich vorangetriebenen, die wichtigsten bürokratischen Hürden wurden genommen, so dass realistisch davon ausgegangen werden kann, Anfang des Jahres die erforderlichen Architektenleistungen auszuschreiben.
Neben der 1.500 qm großen Dauerausstellung zeigte das Ostpreußische Landesmuseum auch 2011 wieder acht Wechselausstellungen in den eigenen Räumlichkeiten. Der Zyklus an Kunstausstellungen zu den großen expressionistischen Malern aus Ostpreußen wurde abgeschlossen. Das Museum hat damit seinen Anspruch, Kunstmuseum der Stadt zu sein, ausbauen können und damit dem Umstand Rechnung getragen, dass es über die wohl bedeutendste Gemäldesammlung in Lüneburg verfügt. Mit der Ausstellung „Ich rufe dich beim Namen“ im Jahr der Taufe der EKD wurde auch eine kulturhistorische Präsentation in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Kirchenkreis realisiert.
Darüber hinaus wurden ebenfalls acht Leihausstellungen außerhalb Lüneburgs gezeigt, nicht nur in Deutschland, sondern besonders auch in den Ländern des ehemaligen Ostpreußens, also Polen, Russland und Litauen. Über 60 Kulturveranstaltungen, Lesungen, Konzerte, Workshops und Studienreisen stießen wieder auf große Nachfrage.
Nicht zuletzt wurde die Zusammenarbeit mit Schulen ausgebaut und insbesondere auch länderübergreifende Schulbegegnungen initiiert. Das Ostpreußische Landesmuseum war auch das einzige Museum Norddeutschlands, das an einem bundesweiten Forschungsprojekt zur frühkindlichen Bildung im Museum teilnahm und ein neues Format für die Arbeit mit Kindergartenkindern erarbeitete, um es anderen Museen zur Verfügung zu stellen.
Dank der Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien konnten wir im Herbst 2011 einen „Kinderclub“ gründen, der zweimal im Monat den Kindern mit Clubmitgliedschaft einen kreativen, unterhaltsamen, aber auch inhaltlich anspruchsvollen Nachmittag kostenfrei bietet. Er richtet sich besonders an Kinder aus eher bildungsfernen Schichten, die in der Regel nur selten die weitreichenden Bildungs- und Integrationspotentiale eines kulturhistorischen Museums nutzen können. Der Club war sofort ausgebucht, die Warteschlange ist lang. Wir hoffen, bald eine zweite Gruppe eröffnen zu können.
Der Besuch vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Herrn Staatsminister Bernd Neumann im März 2011 sowie von der niedersächsischen Kulturministerin, Frau Prof. Johanna Wanka im Herbst können als Anerkennung dieser Aktivitäten verstanden werden.
Ebenfalls wurden in einer Feierstunde jetzt am 12. Dezember die Mühen des Museums belohnt, als das Ostpreußische Landesmuseum als eines von vier Museen Plakette und Urkunde für die erfolgreiche diesjährige Aufnahme in das niedersächsische Museumsregister erhielt.
Damit ist das Ostpreußische Landesmuseum das erste Museum der Region in und um Lüneburg, welches das begehrte Qualitätssiegel des niedersächsischen Museumsverbandes für nachweislich professionelle Museumsarbeit erhält. Auch in der Reihe der Museen für die ehemaligen deutschen Ostgebiete, finanziert auf Grundlage des §96 BVFG, ist das Ostpreußische Landesmuseum das erste, das sich einer solchen Qualitätsprüfung durch unabhängige Museumsexperten unterzog.
Seit 2006 existiert dieses anspruchsvolle Instrument der Qualitätssicherung des Niedersächsischen Museumsverbandes mit Unterstützung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Den Museumsbesuchern, den Trägern und nicht zuletzt auch potentiellen Förderern, Stiftungen und sonstigen Spendern eines zertifizierten Museums wird so dank der umfangreichen Evaluierung durch eine unabhängige Expertenkommission ein hohes Niveau der Arbeitsqualität und die Einhaltung der vom Deutschen Museumsbund festgelegten „Standards für Museen“ bestätigt.
Hierzu zählen a) eine dauerhafte finanzielle und institutionelle Basis; b) ein Leitbild und Museumskonzept; c) modernes Museumsmanagement; d) qualifiziertes Personal als Grundlage professionellen Arbeitens (das durchaus auch ehrenamtlich wirken kann); e) Sammelungsaufbau gemäß fixierter und wissenschaftlich abgeleiteter Kriterien; f) das Bewahren der Originale als Kulturerbe der Menschheit auf Grundlage ihrer konservatorischer Anforderungen; g) Forschen und Dokumentieren an der Sammlung und nicht zuletzt h) das Ausstellen und Vermitteln.
Seither haben 106 der ca. 650 niedersächsischen Museen einen Anlauf zur Registrierung gewagt, erst 54 sind wie jetzt das Ostpreußische Landesmuseum uneingeschränkt zertifiziert worden. Hierzu musste ein umfangreicher Fragebogen ausgefüllt und zahlreiche Konzepte wie das Museumsstatut, das Leitbild, ein Sammlungs- ebenso wie ein Sammlungsbewahrungskonzept sowie ein Dokumentationsplan vorgelegt werden. Die konservatorischen Bedingungen und die Depotsituation wurden in Augenschein genommen. Die Zertifizierung gilt für 7 Jahre.
Beim Ostpreußischen Landesmuseum fielen der Kommission von Museumsexperten aus ganz Deutschland u.a. folgende Punkte besonders positiv auf:
1. Hohe Ansprüche beim Thema „Bewahren“ und „Dokumentation“
2. Die rege Ausstellungstätigkeit
3. Gute Bildungsarbeit
Als noch verbesserungsfähig wurden Positionen benannt, die mit der für die kommenden Jahre geplanten Erweiterung ohnehin im Mittelpunkt unsrer Modernisierungsmaßnahmen stehen: Die stärkere Einbindung der Deutschbalten ebenso wie die bessere Eingliederung in die derzeit gerade erst im Entstehen befindliche „Museumslandschaft Lüneburg“. Das Marketing soll verbessert werden; hierfür wird im Januar eine Volontärin ihren Dienst im Museum antreten. In der neuen Dauerausstellung wird wie jetzt auch gefordert die Integration der Vertriebenen berücksichtigt werden und ebenso werden wir die grenzüberschreitende Kulturarbeit als Beitrag der Völkerverständigung mit unseren östlichen Nachbarn weiter auszubauen. Nicht zuletzt wird auch die Rolle als mögliche „Auffangstätte“ ostdeutscher Heimatsammlungen weiter entwickelt werden.
Das umfangreiche Angebot des Museums wird offensichtlich als Teil einer zukunftsorientierten Dynamik wahrgenommen und zeigt, wie aktuell und gesellschaftlich relevant die Beschäftigung mit dem ostpreußischen Kulturerbe sein kann. Die niedersächsische Museumsregistrierung in ihrer Funktion als eine Art „Coaching“ hat dem Museum sehr geholfen, sich für seine vorgesehene Erweiterung und Modernisierung konzeptionell neu aufzustellen und dies durch externe, neutrale Experten überprüfen zu lassen. Der Erfolg bei dieser Evaluierung ist uns eine willkommene Bestätigung und zugleich Ansporn, den eingeschlagenen Weg beizubehalten und auszubauen.
Das Museum dankt allen Förderern und Freunden für Ihre Unterstützung, allen beteiligten Partnern für gute Kooperation, den Medien für ihre Berichterstattung und seinen Besuchern für ihr Interesse.
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